Frau Dr. Baas antwortet
DZG-Aktuell 04-2011
Frau A. V. fragt an:
Ich bin in den Wechseljahren und mein Frauenarzt meinte, ich sollte zur Linderung der Beschwerden Tabletten einnehmen. Ich bin im Internet auf das Rotkleepräparat MOVERAN von der Firma biofit gestoßen. Sie sollen auch glutenfrei sein. Können Sie es mir empfehlen?
Antwort:
Isoflavone aus Soja und Rotklee lösen eine östrogenähnliche Wirkung im menschlichen Körper aus. Daher wird vermutet, dass man über verstärkte Aufnahme von Sojapräparaten Wechseljahresbeschwerden, vor allem Hitzewallungen, beeinflussen kann. Entsprechende Nahrungsergänzungsmittel befinden sich im Handel. Da die Nebenwirkungen von sehr hochkonzentrierten Präparaten jedoch noch nicht untersucht sind, wird davon allgemein eher abgeraten. In Studien zeigte sich bei den Frauen ein hoher Placeboeffekt, somit existieren keine Beweise, dass diese Mittel eine Wirkung auf die Beschwerden haben. Eine Alternative zur Hormontherapie stellen sie heute nicht dar. In der neuesten Zusammenfassung der Nordamerikanischen Gesellschaft für Menopause wird eine mäßige Wirkung der Soja-Produkte gesehen, weitere Studien müssen die Effekte jedoch klären. Das von Ihnen angesprochene Produkt ist laut Herstellerangaben auf der Internetseite glutenfrei.
Frau E. F. fragt an:
Ich bin 60 Jahre alt. Seit 1995 habe ich eine „festgestellte“ Zöliakie, halte die Diät gut ein, weil ich froh über das Wohlbefinden bin. Allerdings machen mir die vielen kleinen u. großen Hämatome an den Beinen etwas Sorgen. Was sollte kontrolliert werden?
Antwort:
Bei Hämatomen sollte das Blutbild mit den Thrombozyten (= Blutplättchen) und ein Gerinnungsstatus (Quick, PTT) bestimmt werden. Nehmen Sie bestimmte Medikamente ein, die die Blutgerinnung verändern z.B. Aspirin/ASS oder Marcumar? Dies könnte dann die Entstehung von Blutergüssen begünstigen.
Fallbericht aus dem Zöliakie-Treff:
Nach vielversprechenden Ansätzen bei der Behandlung anderer Krankheiten diverser Freunde fragte ich Dr. Eisenhardt, ob er wirklich etwas gegen die als unheilbar geltende Zöliakie meiner Tochter ausrichten könne. Antwort: Ich verspreche Ihnen in die Hand, dass ich diese Krankheit innerhalb von 2 Wochen heile. Also Urlaub genommen, Hotel gebucht und mit Tochter für 2 Wochen 800 km nach Hamburg gefahren. Nach 1 ½ Wochen hieß es: Sie kann wieder dauerhaft alles essen, die Zöliakie ist nicht mehr da. Also alles bezahlt, wieder heimgereist und normal gegessen. Nach 2 Monaten Blutabnahme beim Arzt, alle Blutwerte, die auf Zöliakie hinweisen, waren dramatisch verändert, also Zöliakie in höchst alarmierender Weise vorhanden. Aussage der untersuchenden Ärztin: Unbedingt sofort wieder strengste Diät einhalten, sonst dauerhaft schlimme Schäden im Darm. Anrufe bei Dr. Eisenhardt mit der Bitte um Stellungnahme, Aussagen des Personals: Dr. Eisenhardt hat keine Zeit, ist nicht im Hause, er ruft Sie zurück. Ein Rückruf ist nie erfolgt, E-Mails werden auch nicht beantwortet,
also hat er etwas zu verbergen, ein schlechtes Gewissen oder bewusst die Unwahrheit gesagt.
FAZIT: Nie wieder zur Eisenhardt- Therapie, zumindest nicht mit Zöliakie. Wie viel Hoffnung und Glücksmomente in einem Kind aufkommen und dann brutal wieder zerstört werden, kann sich jeder ausmalen. Dann lieber niemals eine falsche Hoffnung haben und weiter Diät machen wie bisher, denn unser Kind ist dadurch extrem traurig und in ein seelisches
Tief gefallen. Und die aufgewendeten rund 1200 Euro wären für glutenfreie Kost auch besser angelegt gewesen…
Kommentar Frau Dr. Baas:
Wir erhalten zahlreiche Anfragen, ob eine Möglichkeit der Heilung einer Zöliakie existieren. Gerade auf die Eisenhardt-Therapie werden wir häufig angesprochen. Wir hatten bereits in der Aktuell- Ausgabe 4/2009 darauf hingewiesen, dass aus schulmedizinischer Sicht heutzutage noch keine Therapie zur dauerhaften Heilung einer Zöliakie bekannt ist. Es sollte bedacht werden, dass es sich stets nur um Einzelfallberichte handelt, die positive Heilungsergebnisse aufzuweisen scheinen. Zu keiner alternativmedizinischen Methode wurden bislang kontrollierte Studien an größeren Patientengruppen durchgeführt. Daher kann kaum eine eindeutige Aussage zur Wirksamkeit einer solchen Behandlung gemacht werden. Sollten Betroffene Zweifel haben, dass die Diagnose richtig gestellt wurde oder ob ihre Zöliakie noch aktiv ist, kann nur eine ärztlich kontrollierte Belastungsphase wirklich Klarheit bringen.
DZG-Aktuell 03-2011
Herr T. E. fragt an:
Bei mir besteht zusätzlich zur Zöliakie eine Makuladegeneration,
so dass sich mein Sehvermögen stark verschlechtert hat.
Welche Therapie ist möglich und welche unterstützenden Maßnahmen
hinsichtlich meiner Ernährung kann ich ergreifen, um ausreichend
Vitamine, insbesondere Lutein und Zeaxanthin, zu mir zu nehmen?
Antwort:
Die Therapie ist abhängig zunächst von der Art der AMD.
Für die trockene Form, die bei über 85% der Betroffenen besteht, existiert derzeit keine bekannte Therapieform. Sie verläuft allerdings schleichender als die feuchte Form. Bei dieser verschlechtert sich die Sehfähigkeit meist rascher. Sie ist gekennzeichnet durch das Einsprießen von Gefäßen in die Netzhaut. Es gibt heute Medikamente, die das Gefäßwachstum aufhalten können. Dazu sollten Sie Ihren Augenarzt befragen. Allerdings sind diese Medikamente eigentlich nicht für diese Therapie vorgesehen, werden aber sehr häufig in Absprache mit dem Patienten eingesetzt, da ihre gute Wirksamkeit in Studien nachgewiesen werden konnte.
Bezüglich von Vitaminpräparaten, insbesondere der Gabe von Lutein und Zeaxanthin, gibt es unterschiedliche Meinungen. Im Allgemeinen wird eine gesunde Ernährung empfohlen. Dabei haben sich die folgenden Lebensmittel als besonders günstig erwiesen:
- Vollkornprodukte (niedriger glykämischer Index + Vitamin E)
- Pflanzliche Öle, z. B. Leinöl, Rapsöl, Walnussöl, etc.
(Omega-3-Fettsäuren + Vitamin E)
- Eier (Vitamin E, Eigelb: Lutein und Zeaxanthin)
- Nüsse (Vitamin E)
- Fisch, z. B. Lachs, Hering, Makrele, Thunfi sch etc.(Omega-3-Fettsäuren) 2-3x/Woche
- Rotes Fleisch, Gefl ügel, Fisch, Vollkorn- und Milchprodukte (hoher Gehalt an Zink)
- Karotten, Kohl, Spinat, Zitrusfrüchte und Fruchtsäfte,Grüner Pfeffer, Brokkoli,
- Kartoffeln (hoher Gehalt an ß-Carotin und Vitamin C)
- Spinat, Rosenkohl, Brokkoli, Grünkohl (hoher Gehalt an Lutein)
Frau M. G. fragt an:
Wie schädlich ist eigentlich Glutamat? Man kann im Internet lesen,
dass es Auswirkungen auf das Gehirn haben könnte.
Antwort:
Auch wenn die Aminosäure Glutaminsäure ein Bestandteil des schädigenden Bruchstücks des Glutens ist, hat Glutamat selbst keine Auswirkungen hinsichtlich der Zöliakie. Als Geschmacksverstärker wird er heutzutage bekanntermaßen vielen Fertigprodukten zugesetzt.
Ihm werden zahlreiche Nebenwirkungen zugeschrieben und diskutiert.
Im Internet findet man zahlreiche Aussagen. In einem internationalen Konsensus 2007 von renommierten Ernährungswissenschaftlern wurde Glutamat auch in höheren Dosierungen als unschädlich eingeschätzt. Da manche Personen nach Aufnahme höherer Dosen an Glutamat über bestimmte Nebenwirkungen (Kopfschmerzen, Durst, Zittern und Kribbeln in Armen und Beinen, Übelkeit etc.) berichten, sollten diese Glutamat eher meiden.
Insgesamt ist Glutamat als Aminosäure wichtig für unseren Körper und wird mit Eiweißen aufgenommen. Der Darm verarbeitet Glutamat als Energiequelle und benötigt daher größere Mengen an Glutamat. Ob das in der Nahrung vorkommende freie Glutamat in das Gehirn aufgenommen werden kann, ist eher unsicher, da ein Filter (Blut-Hirn-Schranke) verhindert, dass manche Stoffe aus dem Blut ins Gehirn gelangen können. Das vom Gehirn benötigte Glutamat (Botenstoff im Gehirn) wird dort selbst produziert. Daher wird der Einfluss auf das Gehirn durch zugeführtes Glutamat als gering eingeschätzt.
Ein Statement der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)
findet man auf der Internetseite
http://www.dge.de/modules.php?name=News&fi le=article&sid=189.
DZG-Aktuell 02-2011
Frau A.B. fragt an:
Ich habe gehört, dass der Genuss von zu viel Soja, wie es in vielen glutenfreien Produkten enthalten ist, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko nach sich ziehen könne. Ist dies möglich?
Antwort:
Soja enthält so genannte Phytoöstrogene, also pflanzliche Stoffe, die einen ähnlichen Aufbau wie das weibliche Hormon Östrogen haben und damit vergleichbare oder genau entgegengesetzte Wirkung auf den Körper ausüben können. Dies erklärt sich dadurch, dass über die Bindung an den Östrogenrezeptor (Bindungsstelle an der Zellwand) die Wirkung entweder ausgelöst oder geblockt wird. Zum Thema Brustkrebsrisiko erschien im letzten Jahr eine Übersichtsarbeit. Diese fasst die Datenlage folgendermaßen zusammen: Eine mäßige Aufnahme von Soja über das gesamte Leben scheint mit einem niedrigeren Risiko für Brustkrebs verbunden zu sein im Vergleich dazu, wenn kein Soja verzehrt wird. Auch das Wiederauftreten von Brustkrebs bei fortgesetztem Konsum von Soja scheint nach zwei Studien nicht häufiger zu sein.
Frau K. M. fragt an:
Ist die Wirkung der „Pille“ bei Zöliakie vermindert? Erfolgt die Aufnahme bei geschädigter Schleimhaut unterschiedlich zum Gesunden?
Antwort:
Bei der Aufnahme eines zur Verhütung eingesetzten Östrogens wird dieses in der Dünndarmschleimhaut verändert, um so im Körper aktiv zu werden. Es zeigte sich, dass die Fähigkeit der Schleimhaut bei unbehandelten Zöliakiepatientinnen im Vergleich zu nichtbetroffenen Frauen vermindert war. Bei Patientinnen unter glutenfreier Ernährung waren die Werte wieder deutlich besser. So sollte die Wirkung der Verhütungsmedikamente bei Einhaltung der glutenfreien Ernährung regelrecht sein. Im Einzelfall sollte jedoch mit dem behandelnden Frauenarzt besprochen werden, ob die Wirkung über einen Hormonstatus überprüft werden kann.
DZG-Aktuell 01-2011
Frau J. S. fragt an:
Im Jahr 2004 wurde bei mir nach langer Leidenszeit die Diagnose Zöliakie gestellt. Zudem leide ich seit 1999 an Arthrose in beiden Hüftgelenken. Dieses schreitet bei mir sehr schnell voran, obwohl ich erst 30 Jahre alt bin. Kann dies eventuell im Zusammenhang mit der sehr spät gestellten Diagnose Zöliakie stehen?
Nun soll im Februar 2011 eine künstliche Hüfte eingesetzt werden. Ich habe davor aber sehr große Angst, da ich nicht einschätzen kann wie die Struktur meiner Knochen ist. Kann es möglich sein, dass ich unter verminderter Knochendichte leide? Kann es bei Zöliakiepatienten Komplikationen geben. Zum Beispiel was die Haltedauer der künstlichen Hüfte betrifft?
Antwort:
Diese frühe Arthrose ist sehr ungewöhnlich, solange keine Hüftdysplasie (schon von Geburt an schlecht eingestelltes Hüftgelenk)besteht. Ich würde jedoch in jedem Fall dazu raten, eine Untersuchung zur Bestimmung des Vitamin D-Status, evtl. auch eine Knochendichtemessung (DEXA) vornehmen zu lassen. Dabei wären folgende Blutuntersuchungen sinnvoll: Calcium, Phosphat, Alkalische Phosphatase, Parathormon und Vitamin D. Bei nachgewiesenem Vitamin D-Mangel wäre dann die Knochendichtemessung in Betracht zu ziehen.
Die Studienlage zum gemeinsamen Auftreten von Osteoporose und Arthrose ist uneinheitlich, ob hier ein Zusammenhang besteht. Da häufiger auch der Zinkwert, der wohl einen Einfluss auf die Entstehung der Arthrose haben könnte, in diesen Studien untersucht wurde, wäre evtl. auch ein Zinkstatus in die oben genannten Untersuchungen mit einzubeziehen.
Herr M.J. fragt an:
Ich habe am ganzen Körper, nur nicht an den Beinen, Hautschwellungen, die nach dem Genuss bestimmter Nahrung z.B. Käse, Rauchfleisch, Nüsse u. Brötchen auftreten.
Könnte dies durch eine Zöliakie ausgelöst sein?
Antwort
Die Beschreibung der Hautreaktionen sind vermutlich eher allergischer Art (Urtikaria) oder durch eine Histaminintoleranz bedingt. Dies sollte in jedem Fall durch einen Allergologen weiter abgeklärt werden (IgE-RAST im Blut und/oder Pricktest an der Haut).