Frau Dr. Baas antwortet
DZG Aktuell 04/2009
Frau A. W. fragt an:
Bei meiner Mutter wurde vor einigen Jahren eine Zöliakie diagnostiziert. Bei Diätfehlern treten stets rasch Beschwerden auf. Jetzt wurde ihr empfohlen, die Dinkelsorte Ostro zu versuchen, da diese besonders gut verträglich sei. Diese wird von ihr auch tatsächlich ohne Probleme vertragen. Gibt es hierfür eine Erklärung?
Frau Dr. S. Baas antwortet:
Ostro ist eine Dinkelsorte ohne Weizeneinkreuzung. Aber auch bei intensiven Untersuchungen von verschiedenen Weizen- und Dinkelsorten (dabei über 30 Dinkelsorten) konnten keine wirklichen strukturellen Unterschied im Proteinmuster der Gliadine und Glutenine („toxische“ Bestandteile der glutenhaltigen Getreide) nachweisen. Die „Verträglichkeit“ bei Ihrer Mutter können wir uns daher nicht ganz erklären, vor allem wenn sie sonst bereits auf kleinere Mengen reagiert hat. Die Diagnose Zöliakie war bei ihr eindeutig mit Biopsie und positiven Antikörpern gestellt worden?
Bei Weizenallergikern findet man häufiger eine Verträglichkeit von Dinkel. Manchmal spielen auch psychologische Faktoren für die „Verträglichkeit“ eine Rolle. Bei einer sicheren Zöliakie würde ich Ihrer Mutter jedoch von dieser Dinkelsorte abraten.
Frau S.S. fragt an:
Bei unserer Tochter wurde vor 2 Jahren Zöliakie diagnostiziert. Sie hält sich gewissenhaft an Ihre Diät. Ihr Längenwachstum hat sich unter der Diät sehr schnell reguliert und liegt schon seit längerer Zeit wieder im Normbereich.
Die aktuelle (routinemäßige) Antikörper-Überprüfung hat ergeben, dass sämtliche Werte im negativen Bereich liegen.
Im Rahmen der Antikörper-Überprüfung wurde u.a. auch der TSHWert bestimmt. Dieser ist mit 4,61 (bei Normwert 0,23-3,80) leicht erhöht. Zuletzt wurde der TSH-Wert vor 2 Jahren von der Kinderklinik im Rahmen der Zöliakie-Diagnose bestimmt; er lag zum damaligen Zeitpunkt im Normbereich.
Unsere Kinderärztin ist sich nun in Zusammenhang mit der Zöliakie-
Erkrankung nicht ganz sicher, ob eine weitere Untersuchung der Schilddrüse erfolgen muss, oder ob eine erneute Überprüfung des Werts in einem Jahr zunächst ausreicht?
Frau Dr. S. Baas antwortet:
Es sollten zusätzlich die Schilddrüsenhormonwerte fT3 und fT4 bestimmt werden, die anzeigen, ob noch ausreichend Hormon produziert wird. Sind diese zu niedrig, muss auch eine Substitution mit Hormontabletten erfolgen. Sind die Hormonwerte noch in der Norm, kann eine Kontrolle des TSH in 3 Monaten erfolgen und somit, zunächst beobachtend, abgewartet werden. Des Weiteren sollte nach Schilddrüsen-Antikörpern gesucht werden (anti -TPO, MAK, TRAK), um eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse zu erkennen. Diese kommt gehäuft mit einer Zöliakie vor (bei ca. 8% der Zöliakie-Betroffenen). Bei Nachweis einer Schilddrüsenerkrankung wäre auch ein Ultraschall sinnvoll, um Größe und Struktur der Schilddrüse zu erfassen.
DZG Aktuell 03/2009
Frau K.B. fragt an:
Ich las von einem Zusammenhang zwischen erhöhten Leberwerten und Zöliakie. (GammaGT, GOT, GPT) Müssten diese Werte sich bei langjähriger glutenfreier Ernährung normalisieren oder sind sie weiterhin typisch erhöht?
Frau Dr. S. Baas antwortet:
Leberwerterhöhungen liegen bei bis zu 30% aller Zöliakiepatienten vor Diagnosestellung vor. Dabei sind meist die Werte GOT und GPT erhöht. Diese sollten sich, wenn Zöliakie-bedingt, im ersten Jahr nach der Ernährungsumstellung normalisieren. Bleiben sie weiter erhöht, sollte dringlich eine Abklärung weiterer Leber- und Gallenwegserkrankungen durch den Gastroenterologen erfolgen. Autoimmunerkrankungen an Leber und Gallenwegen treten gehäuft mit einer Zöliakie auf.
Herr T.K. fragt an:
Ich war als Kind bereits an Zöliakie erkrankt. Damals meinte man nach einer Ernährungsumstellung auf normale Kost (da ich keine Symptome hatte), dass sich die Krankheit erledigt hat. Nun, 33 Jahre später, wurde aufgrund einer Blutarmut wieder Zöliakie diagnostiziert. Nun die Fragen:
Inwieweit können mich Spuren von Gluten erkranken lassen? Da ich 30 Jahre ohne schwerwiegende Folgen Gluten zu mir genommen habe und es mir gut ging, kann es dann sein, dass die Zöliakie eine leichte Verlaufsform hat? Wieviel Gluten darf denn in Lebensmitteln mit der Aufschrift „Spuren von Gluten….“ enthalten sein und welche Folgen kann dies haben, wenn man diese Produkte zu sich nimmt? Kann man diese Produkte gelegentlich zu sich nehmen? Ich habe leider, wenn ich Gluten zu mir nehme, keinerlei Symptome in Bezug auf Zöliakie.
Ich bekomme von meinem Hausarzt monatlich eine Vitamin B12 – Spritze. Er meint, dass ich diese mein Leben lang bekommen müsste. Ich kann Vitamin B12 nicht oral aufnehmen aufgrund dieser Erkrankung. Ist das richtig? Muss ich wirklich jeden Monat eine Spritze bekommen?
Frau Dr. S. Baas antwortet:
Die regelmäßige Aufnahme auch von kleinen Glutenmengen kann die Schleimhaut immer wieder schädigen, so dass Zöliakiesymptome ausgelöst werden können. Wenn nur angegeben ist: kann Spuren von Gluten enthalten“ und ist das Produkt in unserer Liste als glutenfrei aufgeführt, kann es unbedenklich verzehrt werden.
Hier könnte es im Produktionsprozess zu Verunreinigungen kommen, von der Rezeptur her sind diese Waren glutenfrei. Als glutenfrei wird heute alles mit einem Glutengehalt unter 20 ppm (also unter 20 mg pro kg Fertigprodukt) bezeichnet. Regelmäßige Untersuchungen der Zöliakie-Antikörper sollten erfolgen, um unbewusste Diätfehler aufzudecken.
Es ist nicht regelhaft so, dass Zöliakiepatienten kein Vitamin B12 aufnehmen können. Sinken die Spiegel trotz Ernährung mit tierischen Produkten (Fleisch, Milch, Eier) immer wieder ab, sollte geklärt werden, ob zusätzlich Antikörper gegen die so genannten Parietalzellen des Magens vorliegen, die den so genannten Intrinsic factor bilden, der für die Aufnahme von Vitamin B12 gebraucht wird. Liegen diese Antikörper vor, kann B12 nicht mehr aufgenommen werden und muss als Injektion verabreicht werden. Durch die glutenfreie Ernährung sollte sich sonst die Schleimhaut des Dünndarmes so regenerieren, dass die Nährstoffe wieder aufgenommen werden können.
DZG Aktuell 02/2009
Herr L. L. fragt an:
Mir ist nun zum zweiten Mal bekannt geworden, dass ein niedergelassener Arzt bei einem Kind eine Zöliakie diagnostiziert hat. Die Diagnose stützte sich auf einen kleinen Piks in den Finger und die anschließende Verfärbung eines Teststreifens. Danach legte er den Eltern eine Magnetfeld-Resonanztherapie nahe, damit sei das Problem in den Griff zu bekommen und die Zöliakie bzw. Glutenunverträglichkeit würde verschwinden…
Gibt es eine solche Diagnostik und Therapie wirklich?
Frau Dr. S. Baas antwortet:
Zunächst stellt sich für mich die Frage, welcher Test für die Diagnostik der Zöliakie verwendet wurde. Seit kurzem wird ein „Hometest“ propagiert, der Patienten und Ärzten erlaubt, durch einen Tropfen Blut aus dem Finger nach Zöliakie-Antikörper zu suchen. Dieser Test ist in jedem Fall nur mit Vorsicht zu interpretieren. Dazu können Sie auch weitere Informationen auf unserer Homepage nachlesen, die auch vom wissenschaftlichen Beirat der DZG unterstützt und formuliert wurden (siehe auch Seite 24).
Bei einem positiven Ergebnis wie bei den oben beschriebenen Patienten muss jedoch stets eine entsprechende herkömmliche Diagnostik mittels Blutentnahme zur Bestimmung der Zöliakie-Antikörper und eine Magenspiegelung mit Probenentnahme aus dem Zwölffingerdarm erfolgen, um eine sichere Diagnose zu erhalten.
Nach schulmedizinischem Wissensstand ist es derzeit nicht möglich, eine Zöliakie zu heilen. Die streng glutenfreie Ernährung stellt weiterhin die einzig mögliche Therapieform dar. Gerade bei Kindern sollte in Bezug auf die Auswirkungen einer nicht behandelten Zöliakie sehr vorsichtig mit alternativen Therapieformen umgegangen werden.
DZG Aktuell 01/2009
Frau A. W. fragt an:
Mein Arzt hat mir auf Grund meiner Sprue eine Hepatitis-B Impfung empfohlen. Wie sehen Sie die Sache? Ist die Impfung nötig?
Frau Dr. S. Baas antwortet:
Nur auf Grund der Zöliakie muss keine Hepatitis B-Impfung erfolgen. Sie ist jedoch ohne weiteres durchführbar und wird genau so gut vertragen wie bei anderen Impflingen. Bei Reisen in entsprechende Risikoländer oder Kontakten im Beruf ist die Impfung zu empfehlen. Sie gehört schon lange zu den Impfungen, die bei Kleinkindern routinemäßig geimpft werden, um eine Infektion zu verhüten. Dies kann jedoch nur durch sexuelle Kontakte oder Blutprodukte erfolgen, sehr selten scheint eine Übertragung mit dem Speichel und anderen Körperflüssigkeiten möglich.
Frau A.K. fragt an:
Mein Sohn ist 7 Monate alt und hat das Down-Syndrom. Da diese Menschen ja ein hohes Risiko haben, Zöliakie zu bekommen, möchte ich gerne Folgendes wissen: ist es möglich, schon vor der Ernährung mit glutenhaltigen Lebensmitteln einen Test durchzuführen? Oder muss der Körper wirklich erst einige Zeit Gluten bekommen und damit gegebenenfalls eine Allergie?
Ich bin sehr verunsichert. Im SPZ riet man mir, den Kleinen mind. bis zum 1. Lebensjahr glutenfrei zu ernähren, aber das schützt doch auch nicht, wenn er die Anlage dafür hat, oder?
Frau Dr. S. Baas antwortet:
Gemäß der derzeitigen Studienlage scheint das geringste Risiko zu bestehen, später eine Zöliakie zu entwickeln, wenn Gluten zwischen dem 5. und 7. Lebensmonat mit in die Beikost eingeführt wird. Am besten ist dies, wenn zu diesem Zeitpunkt noch gestillt wird. Der Getreidebrei sollte zunächst nur zur Hälfte aus glutenhaltigen Flocken, zur anderen Hälfte aus glutenfreien Flocken angerührt werden. Nach 4 Wochen kann die gesamte Menge auf glutenhaltig umgestellt werden. Dann können im Folgenden auch langsam weitere Mahlzeiten glutenhaltig gestaltet werden. Im zweiten Lebensjahr werden die Antikörper im Blut bestimmt, um nachzusehen, ob eine Reaktion vorliegt. Falls zuvor verdächtige Symptome auftreten, muss natürlich entsprechend früher die Diagnostik begonnen werden. Im Weiteren kann man bei unauffälligem Verlauf etwa alle 5 Jahre die Antikörper im Blut zum Ausschluss einer stummen Verlaufsform überprüfen.