Klassifizierung der Zöliakie nach Marsh

Bei der histologischen (feingeweblichen) Untersuchung der Schleimhautbiopsate durch den Pathologen sollte bei Verdacht auf eine Zöliakie auf bestimmte Charakteristika geachtet werden.Die Entstehung des typischen Schleimhautbildes bei Zöliakie/Sprue ist eine kontinuierliche Entwicklung. Sie geht von einer Vermehrung der Entzündungszellen bei regelgerechtem Schleimhautaufbau (Typ1) hin bis zur kompletten Abflachung des Schleimhautreliefs (Typ 3c). Besonders typisch ist dabei der Nachweis einer deutlichen Vermehrung so genannter intraepithelialer Lymphozyten (IELs). Allerdings können sämtliche Veränderungen, die typisch für eine Zöliakie sind, auch bei anderen Erkrankungen gefunden werden. Daher spielt auch immer das Ansprechen auf die glutenfreie Ernährung eine wichtige Rolle und ist eines der beiden Diagnosekriterien.
Der britische Pathologe Michael N. Marsh hat die Übergänge der Schleimhautveränderungen klassifiziert. Die verschiedenen Kategorien dienen zur Einteilung des Schweregrades der Schleimhautläsion (siehe auch Abbildung). Für eine Diagnose der Zöliakie/Sprue ist zumindest eine Veränderung der Schleimhaut nach Typ 2 notwendig und stellt das andere Kriterium dar, das zur sicheren Diagnose Zöliakie benötigt wird.

Typ 0: IEL < 40, Krypten normal, Zotten normal
Typ 1: IEL > 40, Krypten normal, Zotten normal
Typ 2: IEL > 40, Krypten hyperplastisch, Zotten normal
Typ 3a: IEL > 40, Krypten hyperplastisch, Zotten leicht verkürzt
Typ 3b: IEL > 40, Krypten hyperplastisch, Zotten stark verkürzt
Typ 3c: IEL > 40, Krypten hyperplastisch, Zotten fehlen ganz
Erläuterungen:

IEL: weiße Blutkörperchen in der obersten Deckschicht der Schleimhaut
Krypten: Schleimhautvertiefungen
Zotten: Schleimhautfalten
hyperplastisch: verlängert


Schematische Darstellung der Veränderungen an der Darmschleimhaut entsprechend der Marsh-Klassifikation.