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Antikörper

Obwohl die Dünndarmbiopsie weiterhin in den meisten Fällen zur sicheren Diagnosestellung notwendig ist, wird die Antikörperbestimmung verwendet, um die Patienten zu identifizieren, die biopsiert werden müssen. Zudem sind sie als Verlaufsparameter unerlässlich, um häufige Biopsien zu vermeiden. Bei positiver Histologie und negativen Antikörpern sollte aber zunächst nach einer anderen Ursache für die Schleimhautveränderungen (Marsh I-III) gefahndet werden, da diese für die Zöliakie nicht spezifisch sind.

Es werden heutzutage verschiedene Testverfahren eingesetzt, die hier kurz dargestellt werden sollen:

Native Gliadin-Antikörper: Diese bereits seit 1958 bekannten Antikörper werden als IgA und IgG-Antikörper bestimmt. Da ihre Spezifität gering ist (66-85 % bei Gliadin-IgG, 72-89 % bei Gliadin IgA), sollten sie nicht mehr zur Diagnostik eingesetzt werden. Auch bei Kleinkindern sind Gliadinantikörper den Autoantikörpern in ihrer diagnostischen Validität nicht überlegen, daher haben sie heute keine Bedeutung mehr und sind in der Diagnostik obsolet.
Sehr häufig findet man im Rahmen anderer Erkrankungen und auch bei Gesunden falsch positiv erhöhte Werte. Vor allem bei Erkrankungen, die mit einer erhöhten Darmpermeabilität einhergehen, zeigt sich dieses Phänomen. Dazu zählen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Ulkuserkrankungen, gastroösophagealer Reflux, Lebensmittelallergien und Gastroenteritiden (1).

Endomysium-Antikörper (EmA): Diese Autoantikörper werden meist als IgA-Antikörper im Immunofluoreszenzverfahren bestimmt. Die Antikörper reagieren mit einem Protein, das an Bindegewebsfasern des Gastrointestinaltrakts angelagert ist. Das von den EmA erkannte Antigen stellt die Gewebstransglutaminase dar. Es handelt sich um ein relativ aufwändiges Testverfahren, das großer Erfahrung bei der Auswertung bedarf. Die Spezifizität und Sensitivität der IgA-Klasse der EmA ist im erfahrenen Labor sehr hoch und entspricht weitgehend der Bestimmung der IgA-Antikörper gegen Gewebstransglutaminase mittels ELISA. Eine zusätzliche Bestimmung der EmA zu den Antikörpern gegen Gewebstransglutaminase mittels ELISA ist deshalb nicht erforderlich. IgA-EmA werden bei IgA-Mangel falsch-negativ bestimmt.

• In der Handhabung einfacher haben sich die Gewebstransglutaminase-(TTG)-Antikörper im ELISA-Test gezeigt. Die Gewebstransglutaminase hat Gliadin als bevorzugtes Substrat und katalysiert die Deamidierung dieser Peptide. ELISAs zur Bestimmung der IgA-Klasse der TTG-Antikörper haben eine sehr hohe Sensitivität (87-97 %) und Spezifität (87-95 %) und sind damit vergleichbar mit der von EmA. Auch bei ihnen wird vornehmlich der IgA-Antikörper bestimmt, daher können sie ebenfalls beim IgA-Mangel falsch negativ sein. Es sind auch ELISA-Tests zur Bestimmung von IgG-Antikörpern verfügbar. Diese zeigen beim IgA-Mangel gute Werte für Sensitivität und Spezifität. Es ist jedoch zu beachten, dass die IgG-Klasse der TTG-Antikörper bei IgA-kompetenten Zöliakiepatienten eine sehr niedrige Sensitivität besitzt! Die IgA-TTG-Antikörper stellen den serologischen Parameter der ersten Wahl beim Screening auf Zöliakie dar.

• Seit einigen Jahren steht nun mit den Antikörper gegen deamidierte Gliadinpeptide eine neue Generation an Antikörpern zur Verfügung. Im Gegensatz zu den nativen Gliadinantikörpern sind die von den Antikörpern gegen deamidiertes Gliadin erkannten Epitope weitgehend spezifisch für Zöliakie. Spezifität und Sensitivität der IgG-Klasse der Antikörper gegen deamidierte Gliadinpeptide sind mit der der IgA-Antikörper gegen Gewebstransglutaminase wohl nicht ganz vergleichbar, daher sind sie derzeit noch kein Test der ersten Wahl. Die hohe diagnostische Genauigkeit der IgG-Klasse der Antikörper gegen deamidiertes Gliadin erlaubt allerdings ihren Einsatz zur Zöliakiediagnostik im Falle eines IgA-Mangel (4-7).

• Die Bestimmung von Transglutaminase-Antikörpern im Speichel wurde beschrieben (8). Das Verfahren ist zwar nicht invasiv, jedoch deutlich aufwändiger als ELISA-Tests zur Messung von Gewebstransglutaminase im Blut und besitzt keine höhere Aussagekraft als herkömmliche Verfahren zur Bestimmung der Gewebstransglutaminase mittels ELISA im Blut.

Antikörper im Stuhl gegen Gliadin und Transglutaminase: Diese zeigten sich hinsichtlich Sensitivität und Spezifität zur Diagnostik einer Zöliakie als unzureichend und sollten daher nicht eingesetzt werden (3)

• Auch die Schnelltests (Point-of-care-test) weisen eine Reihe an Unsicherheiten auf und sollten daher stets unabhängig vom Ergebnis durch eine konventionelles Labortest vor Ernährungsumstellung bestätigt werden.

Literatur:
(1) Felber J et al, Ergebnisse einer S2k-Lonsensuskonferenz der DGVS gemeinsam mit der DZG e.V. zur Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität, 2014

(2) Villalta D, Tonutti E, Prause C Koletzko S, Uhlig HH, Vermeersch P, Bossuyt X, Stern M, Laass MW, Ellis HJ, Ciclitira PJ, Richter T, Daehnrich C, Schlumberger W, Mothes T. IgG-antibodies against deamidated gliadin peptides for diagnosis of celiac disease in patients with IgA-deficiency. Clin Chem 2010; 56:464-8

(3) Baldas V et al, Testing for anti-human transglutaminase antibodies in saliva is not useful for diagnosis of celiac disease, Clin Chem 2004; 50: 216-219

(4) Kappler M et al., Detection of secretory IgA antibodies against gliadin and human tissue transglutaminase in stool to screen for coeliac disease in children: validation study. BMJ 2006; 332:213-214