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Antikörperbestimmungen

Die Bedeutung der Antikörperbestimmung für die Diagnose der Zöliakie ist heute sehr hoch. Sie wird vor allem für die Erstdiagnose bei Verdacht auf Zöliakie eingesetzt, als Verlaufsuntersuchung unter Diät oder als Screening-Test, um in Familien von Zöliakie-Patienten nach möglichen weiteren Betroffenen zu suchen.

Wir unterscheiden heute zwei Gruppen von bekannten Antikörpern:

1. Die Autoantikörper: Diese sind gegen körpereigene Strukturen gerichtet. Dabei handelt es sich um den Endomysium-IgA-Antikörper (abgekürzt: EmA) bzw. den Gewebstransglutaminase-IgA-Antikörper (engl.: tissue transglutaminase, abgekürzt tTG- Ak). Es handelt sich dabei um den gleichen Antikörper, jedoch um zwei verschiedene Nachweisverfahren. Die unterschiedlichen Namen sind historisch bedingt. Diese sind die Tests der ersten Wahl bei Verdacht auf Zöliakie.

2. Antikörper gegen Gliadin: Bereits 1958 hatte man die ersten Antikörper im Blut von Zöliakiepatienten nachweisen können. Sie sind gegen das mit der Nahrung aufgenommene (native = unveränderte) Gliadin gerichtet. Die älteren Gliadin-Antikörpertests zeigten jedoch deutlich weniger Zuverlässigkeit hinsichtlich der Aussage, ob eine Zöliakie tatsächlich vorliegt oder nicht, im Vergleich zu den heutigen Untersuchungsmethoden. Man findet diese Antikörper häufig bei Gesunden oder im Rahmen anderer Erkrankungen (z.B. chronisch-entzündliche Darmerkrankungen). Auf Grund ihrer geringen Aussagekraft sollten sie heute nicht mehr diagnostisch eingesetzt werden.

Mittlerweile wurden bei Zöliakiepatienten eine weitere Gruppe an Gliadin-Antikörpern gefunden, die sich durch eine bessere Aussagekraft auszeichnen als das ältere Verfahren. Das mit der Nahrung aufgenommene Gluten wird im Darm nur unvollständig abgebaut. Dies ist bei allen Menschen der Fall. Die verbleibenden Gliadinbruchstücke (Peptide) werden durch die Schleimhaut aufgenommen und treffen auf das Enzym Transglutaminase. Dieses Enzym löst bei den Peptiden eine Strukturänderung aus, sie werden an bestimmten Eiweißbausteinen (Aminosäuren) deamidiert. Dieser neue Test weist die Antikörper gegen diese deamidierten Gliadinpeptide nach. Auch wenn diese Tests in ihrer Zuverlässigkeit besser sind als die “alten” Gliadin-Antikörper, ersetzen sie nicht die vorher genannten Verfahren der Auto-Antikörper.
Bei allen Antikörpertests unterscheidet man IgA- und IgG-Antikörper.
Am zuverlässigsten zeigen EmA-IgA und tTG-IgA-Antikörper, ob eine Zöliakie vorliegt oder nicht. Ein negativer Antikörper-Test kann das Vorliegen einer Zöliakie/Sprue mit relativ großer Sicherheit ausschließen.

Wichtig ist dabei, dass durch die gleichzeitige Bestimmung von Immunglobulin A (Gesamt-IgA) ein IgA-Mangel ausgeschlossen wird. Ca. 3-7% aller Zöliakie-Betroffenen können keine Antikörper von diesem Typ produzieren. Im Fall eines IgA-Mangels können die IgA-Antikörpertests gegen Transglutaminase oder Endomysium nicht verwendet werden, da sie in der Regel selbst bei einem Vollbild einer Zöliakie/Sprue ein negatives Ergebnis bringen.

In diesem Fall sollten die IgG-Antikörper gegen Transglutaminase und gegen deamidierte Gliadinpeptide bestimmt werden.

Wichtig ist bei der Diagnostik zu berücksichtigen, dass die unter glutenhaltiger Ernährung erhöhten Antikörper durch die glutenfreie Diät in den Normbereich absinken und somit nicht mehr nachweisbar sind. Antikörpertests, die unter sehr glutenarmer bis glutenfreier Ernährung durchgeführt werden, erlauben daher keine Aussage, ob eine Zöliakie vorliegt oder nicht. Allerdings können Verlaufskontrollen mittels Antikörperuntersuchungen vorgenommen werden, da normalisierte Titer bei Beschwerdefreiheit meist auf eine gute Diäteinhaltung rückschließen lassen.
Bei Verdacht auf eine Zöliakie/Sprue sollte die Diagnose durch eine endoskopische Biopsie aus dem Zwölffingerdarm gesichert werden. Auch die Schleimhautveränderungen bilden sich unter Diät zurück, so dass eine verwertbare Probe nur bei ausreichender Glutenzufuhr gewonnen werden kann.

Folgende Kombinationen von Antikörpertest und Biopsie sind denkbar:
  • Transglutaminase/ Gliadin-AK positiv, Biopsie mit Zottenschwund: Diagnose Zöliakie sicher
  • Transglutaminase/ Gliadin-AK negativ, Biopsie mit Zottenschwund: IgA-Mangel möglich oder andere Ursache des Zottenschwunds, Zöliakie möglich
  • Transglutaminase/ Gliadin-AK positiv, Biopsie normal: Latente Zöliakie möglich oder Glutenüberempfindlichkeit
  • Transglutaminase/ Gliadin-AK negativ, Biopsie normal: Zöliakie ausgeschlossen