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Autoimmunerkrankungen

Diabetes mellitus Typ 1

Während Zöliakie und Diabetes mellitus Typ 2 nicht miteinander assoziiert sind, ist ein signifikant häufigeres Auftreten von Diabetes mellitus Typ 1 und Zöliakie zu beobachten. Dabei finden sich unter den Zöliakiebetroffenen ca. 5 % mit Diabetes, während unter den Typ 1-Diabetikern etwa 6 bis 8 % positive Zöliakie-Antikörper und/oder auffällige Histologieergebnisse aufweisen (1-3).

Die Symptome der Zöliakie sind häufig durch den akuten Verlauf des Diabetes überlagert oder werden diesem zugeordnet. Daher verzögert sich die Diagnose der Zöliakie meist. Wiederholte Hypoglykämien durch die bestehende Malabsorption, schwankender Insulinbedarf und Wachstumsstörungen sollten ebenso wie gastrointestinale Symptome und Anämiezeichen an eine Zöliakie denken lassen. In über 90 % der Fälle tritt zunächst der Diabetes mellitus auf. Dennoch ist es möglich, dass die Zöliakie schon lange subklinisch oder wenig symptomatisch vorliegt, bevor sie erkannt wird. Daher ist oftmals schwer zu klären, welche Krankheit zuerst aufgetreten ist. In den wenigen Fällen, bei denen sich die Zöliakie vor dem Diabetes zeigt, scheint der Diabetes besonders stark ausgeprägt.

Auch weitere Autoimmunkrankheiten zeigen sich dann gehäuft (4). Die Diagnostik der Zöliakie erfolgt ebenso mit Hilfe der serologischen Tests. Bei manchen Patienten mit Diabetes Typ 1 werden die Zöliakie-Antikörper jedoch erst nach einiger Zeit positiv, obwohl bereits eine Zöliakie besteht. Durch wiederholte Testungen kann der Zeitpunkt erfasst werden, wenn die Titer steigen. Umgekehrt findet man jedoch auch immer wieder Patienten mit erhöhten Antikörperwerten bei gleichzeitig unauffälligen Schleimhautverhältnissen. Dies könnten Zeichen einer potentiellen Zöliakie sein, die im weiteren Verlauf mit glutenhaltiger Kost unter regelmäßigen Kontrollen in eine manifeste Form übergeht. In jedem Fall ist eine Beobachtung von Typ1-Diabetikern hinsichtlich des Auftretens einer Zöliakie zu empfehlen (5).

Um die Diät mit dem Aspekt auf beide Erkrankungen erlernen zu können, ist eine Beratung durch eine geübte Ernährungsfachkraft notwendig. Von ärztlicher Seite müssen regelmäßig Kontrolluntersuchungen stattfinden, die bei Kindern vor allem auch das Wachstum und die körperliche Entwicklung erfassen.

Literatur:
(1) Gillet PM et al. High prevalence of celiac disease in patients with type 1 diabetes detected by antibodies ot endomysium and tissue transglutaminase. Canadian Journal of Gastroenterology 2001;15:297-301
(2)Hansen D et al., High prevalence of coeliac disease in Danish children with type 1 diabetes mellitus. Acta Paediatrica 2001;90:1238-1234
(3) Arato A et al., Frequency of coeliac disease in Hungarian children with type 1 diabetes mellitus. European Journal of Pediatrics 2003;162:1-5
(4) Valerio G et al., Severe clinical onset of diabetes and increased prevalence of other autoimmune diseases in children with coeliac diabetes diagnosed before diabetes mellitus. Diabetologia 2002;45(12):1719-22
(5) Smith CM et al., Prevalence of celiac disease and longitudinal follow-up of antigliadin antibody status in children and adolescents with Typ 1 diabetes mellitus. Paediatric Diabetes 2000;1(4):199-204
(6) Münstermann S, Henker J, Conrad K, Gehäuftes Auftreten von Zöliakie bei Kindern mit Diabetes mellitus Typ I. Monatsschr Kinderheilkd 1998;146:942-945


Schilddrüsenerkrankungen

Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse und Zöliakie kommen überdurchschnittlich häufig miteinander assoziiert vor. Etwa 8 % der Zöliakiepatienten haben zusätzlich eine Schilddrüsenerkrankung wie M. Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis. Im Gegenzug besteht auch bei etwa 8 % der Schilddrüsenpatienten mit einer der beiden Autoimmunerkrankungen eine Zöliakie.
Daher ist es sinnvoll, sowohl bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse die Zöliakie-Antikörper bestimmen zu lassen als auch bei Zöliakiepatienten die Schilddrüsenfunktion (TSH) zu kontrollieren.


Leber

Bis zu 60 % aller unbehandelten Zöliakiepatienten weisen erhöhte Leberwerte (GOT/GPT) auf (auch ohne die klassischen Symptome wie Durchfall). Daher sollte eine Abklärung erhöhter Transaminasen auch eine Zöliakieserologie beinhalten, wenn sich keine andere Ursache finden lässt. In ca. 5 bis 10 % der Fälle unklarer Transaminasenerhöhung kann eine Zöliakie diagnostiziert werden. In der Leberbiopsie zeigt das Lebergewebe eine unspezifische entzündliche Reaktion. Bei 95 % dieser Patienten normalisieren sich die Leberwerte im Laufe des ersten Jahres nach Beginn einer streng glutenfreien Ernährung.

Allerdings muss man beachten, dass Transglutaminase-Antikörper auch im Rahmen von Lebererkrankungen erhöht sein können, ohne dass eine Zöliakie vorliegt (1). In diesem Fall liegen die Endomysium-Antikörper im Normbereich und die Duodenalbiopsie ist unauffällig.

Neben dieser Zöliakie-bedingten Hepatopathie können auch autoimmun verursachte Erkrankungen der Leber- und Gallenwege auftreten. Autoimmunhepatitis, primär biliäre Zirrhose und primär sklerosierende Cholangitis können mit der Zöliakie assoziiert sein. Bei konstant erhöhten Leberwerten unter glutenfreier Kost muss eine Abklärung in dieser Richtung erfolgen.

Literatur:
(1) Lo lacono O et al., Anti-tissue transglutaminase antibodies in patients with abnormal liver tests: is it always coeliac disease? American Journal of Gastroenterology 2005;100:2472-7.
(2) Elfström P et al., Risk of Thyroid Disease in Individuals with Celiac Disease. J Clin Endocrinol Metab 2008;93:3915-3921


Mikroskopische Kolitis

Die mikroskopische Kolitis ist klinisch durch das Auftreten von chronischen, wässrigen Durchfällen charakterrisiert. Sie findet sich gehäuft in Assoziation mit Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie, aber auch Diabetes mellitus Typ 1, M. Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis und rheumatischen Erkrankungen.

Makroskopisch stellt sich die Kolonmukosa unauffällig dar, mikroskopisch lassen sich zwei Typen unterscheiden:
• Kollagene Kolitis
• Lymphozytäre Kolitis

Die Ursache dieser Erkrankung ist bisher nicht bekannt; Einflüsse, z.B. durch bestimmte Medikamente (NSRA) werden vermutet. Die Symptome bestehen in chronischen Durchfällen ohne Blut- oder Schleimbeimengungen, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Abdominalbeschwerden.
Bei einem milderen Verlauf kommt ein Therapieversuch mit Loperamid in Frage. Bei den meisten Patienten wird durch Budesonid eine Remission erzielt. Da nach Absetzen der Medikation die Erkrankung meist rezidiviert, kann eine Dauertherapie mit niedriger Budesonid-Dosis erwogen werden. Insgesamt ist die Langzeitprognose sehr gut, Komplikationen im Sinne von maligner Entartung sind sehr selten.

Literatur:
(1) Koutroubakis I et al., Diagnosis and Management of Microscopic Colitis. World J Gastroenterol 2008; 14:7280-7288
(2) Van der Wouden EJ et al., Microscopic Colitis: An unfamiliar but treatable Disease. Neth J Med. 2009; 67:41-5