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Antrag für mehr Teilhabe Zöliakiebetroffener

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Hände mit Plataten auf den sich die Ähre der DZG befindet - ein Symbol für glutenfreie Lebensmittel

Antrag für mehr Teilhabe

 

Beim Landesparteitag der CDU in Mecklenburg-Vorpommern am Samstag, 13.04., wird die CDA (Christlich-Demokratische-Arbeitnehmerschaft) einen Antrag für mehr Teilhabe Zöliakiebetroffener einbringen. Hier ist er im Wortlaut:

 

„Der CDU-Landesparteitag möge beschließen:

Die CDU setzt sich für mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Zöliakie-Be-troffene ein. Dies bedeutet insbesondere die Umsetzung der nachfolgenden Punkte:

 

1. Auf allen Veranstaltungen der Landes-CDU mit einem Speisenangebot muss auf Nachfrage auch ein glutenfreies Angebot vorhanden sein

 

2. Die regelmäßigen Hygieneschulungen im Gastronomiebereich werden um Kenntnisse zum Thema Zöliakie und glutenfreiem Speiseangebot erweitert - Ziel dieser Maßnahme ist kurzfristig, dass Verständnis zum Thema Zöliakie zu erweitern. Langfristig sollte jeder Gastronomiebetrieb mindestens ein glutenfreies und bei Zöliakie geeignetes Gericht im Angebot haben.

3. Kliniken und Pflegeeinrichtungen sollten selbstverständlich, (auch ohne Voranmeldung) eine glutenfreie Ernährung gewährleisten können.

4. Kitas, Schulen und Horte sollen nur Verträge mit Caterern abschließen, welche auch eine glutenfreie Verpflegung anbieten können.

5. Klassenfahrten und Wandertage sind, im Falle der Teilnahme von Kindern, welche an Zöliakie erkrankt sind, nur genehmigungsfähig, wenn am Zielort eine glutenfreie Verpflegung angeboten werden kann.

 

Begründung:

Circa 1% aller Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sind an Zöliakie erkrankt.

"Zöliakie ist eine chronische Erkrankung, die sich nicht nur auf den Darm beschränkt, sondern die verschiedensten Organsysteme betreffen kann. Daher wird sie auch als Systemerkrankung bezeichnet. Es besteht eine lebenslange autoimmune Reaktion gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beziehungsweise der Unterfraktion Gliadin.

Gluten/Gliadin kommt in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste vor, sowie in den alten Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut® (Khorasan-Weizen). Zöliakie tritt nur bei entsprechender genetischer Voraussetzung auf. Es kommt im Rahmen der Erkrankung zur Bildung von Antikörpern und Schleimhautveränderungen im Zwölffingerdarm. Die Zöliakie ist weder eine Allergie gegen Gluten oder Weizen noch eine Unverträglichkeit. Es handelt sich um eine autoimmune Reaktion, die unter der entsprechenden Ernährung ohne Gluten zum Abklingen kommt.

Bei gesunden Menschen wird die aufgenommene Nahrung im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt und gelangt über die Schleimhaut in den Körper. Um eine möglichst große Oberfläche zur Nährstoffaufnahme zu erhalten, ist der Dünndarm mit vie-len Falten, den sogenannten Zotten, ausge-kleidet. Bei Zöliakiebetroffenen führt die Zufuhr von Gluten zu einer Entzündung in der Darmschleimhaut. Dies hat zur Folge, dass die Zotten sich zurückbilden. Da sich die Oberfläche des Dünndarms verringert, können nicht mehr genügend Nährstoffe aufgenommen werden. So entstehen im Laufe der Erkrankung Nährstoffdefizite, die eine Reihe der Beschwerden auslösen können. Manche der Krankheitszeichen entstehen aber vermutlich auch durch entzündliche Prozesse an den Organen und Strukturen außerhalb des Darmes unabhängig von Nährstoff-defiziten. Bei diesen Vorgängen ist noch weitgehend ungeklärt, wie sie zustande kommen." (Quelle: Deutsche Zöliakie Gesellschaft).

 

Zöliakie ist nicht heilbar und es gibt auch keine Medikamente, um die Krankheit zu unterdrücken. Einzige Therapie ist eine lebenslange glutenfreie Diät, bei der auch jegliche Kontamination mit glutenhaltigen Nahrungsmitteln ausgeschlossen werden muss, denn bereits 1/8g Weizenmehl kann bei Betroffenen zu einer Schädigung des Dünndarms führen.

Der Alltag für Zöliakiebetroffene ist nicht immer einfach, aufgrund der starken Einschränkungen durch die Krankheit erhalten Betroffene auf Antrag 20% Grad der Behinderung. Bereits im Kindesalter müssen Ausflüge, Urlaube oder der simple Gang in ein Restaurant genauestens geplant werden. Die Betreuung in der Kita, das Schulessen und Kita- oder Schulausflüge und insbesondere Klassenfahrten stellen Eltern und Kinder vor immense Herausforderungen, dies geht teilweise sogar so weit, dass Kinder mit Zöliakie von Ausflügen oder Klassenfahrten ausgeschlossen werden, da die Sicherstellung einer glutenfreien Ernährung nicht gewährleistet werden kann. Ebenso ist es für viele Familien mit an Zöliakie erkrankten Kindern Alltag, dass Essen vorgekocht und in Kita oder Schule mitgegeben werden muss, um die Teilnahme an der Gemeinschaftsverpflegung sicherstellen zu können.

Plötzliche Krankenhausaufenthalte können ebenfalls zu großen Herausforderungen werden, da Klinikküchen einen zu großen Vorlauf zur Bereitstellung glutenfreier Verpflegung benötigen oder diese in Ausnahmefällen sogar gar nicht anbieten. Ähnlich sieht das Angebot auch in Reha- oder Pflegeeinrichtungen aus.

Auch der Besuch eines Restaurants muss genauso wie eine Hotelübernachtung im Vorfeld geplant werden, Teilnahme an der Verpflegung in Betriebskantinen ist in vielen Fällen sogar gar nicht möglich. In Zöliakiegruppen und auf Internetforen geht es häufig nur darum, in welchen Restaurants man unbedenklich essen gehen kann "wo klappt es" oder wo wurden schlechte Erfahrungen gemacht. Größtes Problem im Rahmen von Restaurantbesuchen ist dabei ungeschultes Personal - so werden glutenhaltige Dinkelnudeln als glutenfreie Varianten angeboten, Gluten mit Glutamat oder Stärke verwechselt und auch in der Zubereitung werden schnell Fehler gemacht, wenn z.B. eigentlich glutenfreie Pommes im gleichen Öl wie glutenhaltige Schnitzel frittiert und anschließend als glu-tenfrei angepriesen werden. Dabei ist glutenfreie Ernährung relativ einfach und ohne Zusatzkosten umsetzbar - bereits mit Kartoffeln, Gemüse und unsaniertem Fleisch kann eine vollwertige glutenfreie Mahlzeit zubereitet werden.

Auffällig ist zudem, dass Veganer, die sich ihre Ernährungsform ausgesucht haben und zahlenmäßig eine ähnliche Größenordnung wie Zöliakiebetroffene in Deutschland darstellen, einen deutlich einfacheren Alltag und scheinbar eine bessere Lobby haben - denn oftmals gibt es zahlreiche vegane Angebote, während man nach glutenfreien Angeboten ohne Erfolg suchen muss.“

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