Viele Menschen mit Dermatitis herpetiformis Duhring berichten von einer ähnlichen Erfahrung: Nach dem Verzehr stark jodhaltiger Lebensmittel – zum Beispiel Algen oder Seefisch – oder nach einer Untersuchung mit jodhaltigem CT-Kontrastmittel treten plötzlich neue Hautbläschen und intensiver Juckreiz auf. Auch nach der Anwendung jodhaltiger Desinfektionsmittel wie Povidon-Iod werden vereinzelt Hautreaktionen beschrieben.
Solche Beobachtungen werden auch in der klinischen Praxis gemacht. Gleichzeitig ist die Rolle von Jod bei dieser Erkrankung wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Einige immunologische Erkenntnisse und Studien liefern jedoch mögliche Erklärungsansätze.
Jod ist nicht die Ursache der Erkrankung
Die Dermatitis herpetiformis Duhring gilt als Hautmanifestation der Zöliakie. Ursache der Erkrankung ist eine Autoimmunreaktion, die durch Gluten ausgelöst wird. Dabei bildet das Immunsystem Antikörper gegen die sogenannte epidermale Transglutaminase (TG3). Typisch sind Ablagerungen von Immunglobulin A (IgA) in den Papillen der Haut.
Diese Veränderungen entstehen durch die Reaktion auf Gluten. Jod wird daher nicht als Ursache der Erkrankung angesehen.
Wie Jod möglicherweise einen Schub verstärken kann
Auch wenn Jod nicht die eigentliche Ursache der Erkrankung ist, stellt sich die Frage, warum manche Betroffene über Hautschübe nach einer erhöhten Jodexposition berichten.
Hinweise auf mögliche Zusammenhänge kommen aus der Forschung zu autoimmunen Schilddrüsenerkrankungen. Dort wurde beobachtet, dass eine hohe Jodzufuhr die Aktivität bestimmter Immunzellen verstärken kann.
Dabei kann Jod unter anderem
- die Präsentation von Antigenen beeinflussen,
- die Aktivierung von T- und B-Zellen fördern
- und die Vermehrung autoreaktiver Immunzellen begünstigen.
Bei Menschen mit einer bereits bestehenden Autoimmunreaktion könnte Jod daher als Verstärker der Immunaktivität wirken und einen Hautschub begünstigen. Direkte mechanistische Studien speziell zur Dermatitis herpetiformis sind bislang jedoch selten.
Nicht jede Reaktion hängt direkt mit Jod zusammen
Gleichzeitig ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Reaktion im Zusammenhang mit jodhaltigen Produkten tatsächlich durch Jod selbst verursacht wird.
Bei iodhaltigen Kontrastmitteln oder Povidon-Iod-Desinfektionsmitteln entstehen Überempfindlichkeitsreaktionen häufig durch andere Bestandteile der Substanzen, etwa das Trägermolekül Povidon oder die chemische Struktur des Kontrastmittels.
Bei Hautkontakt mit Povidon-Iod wird häufig eine irritative Kontaktdermatitis beobachtet – also eine Reizung der Haut. Allergische Reaktionen sind dagegen deutlich seltener.
Die Aufnahme von Jod über Lebensmittel oder Kontrastmittel kann dagegen auch systemische Effekte haben und bei entsprechend veranlagten Personen möglicherweise immunologische Prozesse beeinflussen.
Warum Symptome oft erst verzögert auftreten
Viele Betroffene berichten, dass sich neue Hautveränderungen nicht sofort, sondern erst 12 bis 72 Stunden nach einer möglichen Jodexposition zeigen.
Eine solche zeitliche Verzögerung passt grundsätzlich zu entzündlichen Hautreaktionen. Dabei werden zunächst verschiedene Prozesse im Immunsystem aktiviert, etwa
- die Aktivierung von Immunzellen,
- die Freisetzung von Entzündungsstoffen
- und die Einwanderung von Immunzellen in die Haut
Erst wenn diese Prozesse abgelaufen sind, entstehen die sichtbaren Hautveränderungen.
Verändert sich die Empfindlichkeit im Laufe der Zeit?
Einige Betroffene berichten, dass sie nach mehreren Jahren glutenfreier Ernährung weniger empfindlich auf Jod reagieren.
Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass sich die für Dermatitis herpetiformis typischen IgA-Ablagerungen in der Haut unter glutenfreier Ernährung langsam zurückbilden. Studien zeigen, dass diese Ablagerungen über längere Zeit bestehen können, sich jedoch im Verlauf reduzieren.
Die grundsätzliche Immunreaktion auf Gluten bleibt jedoch in den meisten Fällen bestehen.
Was bedeutet das für Menschen mit Dermatitis herpetiformis?
Manche Menschen mit Dermatitis herpetiformis beobachten Hautschübe nach Kontakt mit stark jodhaltigen Substanzen. Dazu können beispielsweise gehören
- stark jodhaltige Lebensmittel
- jodhaltige Desinfektionsmittel (z. B. Povidon-Iod)
- iodhaltige Kontrastmittel bei radiologischen Untersuchungen.
Wenn eine Dermatitis herpetiformis bekannt ist, kann es daher sinnvoll sein, behandelnde Ärztinnen und Ärzte darüber zu informieren – insbesondere vor Untersuchungen, bei denen iodhaltige Kontrastmittel eingesetzt werden könnten.
Ein möglicher Verstärker – kein Auslöser
Jod gilt nicht als Ursache der Dermatitis herpetiformis Duhring. Es könnte jedoch bei manchen Betroffenen bestehende immunologische Prozesse verstärken und dadurch Hautschübe begünstigen.
Die genaue Rolle von Jod bei dieser Erkrankung ist bislang noch nicht vollständig geklärt. Weitere Studien wären notwendig, um den Zusammenhang besser zu verstehen. Gleichzeitig sollte beachtet werden, dass der tägliche Jodbedarf nicht dauerhaft unterschritten werden sollte, da eine langfristig zu geringe Jodzufuhr eine Schilddrüsenunterfunktion begünstigen kann.